jan.gottwaerts /wortreich /verzeihen /die mörder meines bruders
 start   botschaft   mensch   person   wortreich   sonst   kontakt 
 
Der Schwache kann nicht verzeihen.
Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.
Mahatma Gandhi

Eines im Zusammenhang mit dem Thema ist ganz wichtig: Wenn wir verzeihen, heißen wir damit das, was der andere getan hat, nicht automatisch gut. Wir können es nach wie vor "falsch" finden, "niederträchtig", "unangemessen", "kriminell" oder was auch immer. Wir entscheiden uns damit lediglich dazu, nicht länger aktiv dafür zu sorgen, dass die Tat unser Leben dauerhaft negativ beeinflusst. Die Tat selbst aber wird dadurch nicht besser. Und auch Ihre Folgen verzaubern sich nicht mehr zum Guten.

 
Die Mörder meines Bruders

Jens Peter Donner
Mein Bruder Jens (Peter) wurde am 15. Juli 1965 geboren. Er lebte erst ängstlich, dann wild und heftig, und er lebte nur relativ kurz, erlebte aber viel. Er war Freigeist, sehr kreativ, romantisch, im Grunde von bestem Herzen, er war Geniesser, eine Art Idealist, dann aber auch ein Mafiosi, wie man sie in seinem Lieblingsfilm 'Scarface' oder in anderen wie 'Goodfellows', 'Der Pate' oder 'Blow' verehrt. Und deshalb wurde er in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1990 Mordopfer

. Er wurde nicht mal 25 Jahre alt, nur die Besten sterben jung, sagt man. Vielleicht, damit die Welt noch eine Weile schlecht bleibt? Es widerstrebt mir, hier die Details der Tat zu schildern, denn sie sind grauenvoll, bestialisch trifft es vielleicht noch besser, da es sich ja nicht um einen zufälligen Unfall sondern um eine geplante, bewusste Tat handelte. Wer es trotzdem wissen will, der muss durch Nachfrage oder im Archiv des Landgerichts Stade oder bei der BILD Hamburg nachgraben, oder man könnte sogar die Täter fragen, denn die sind nämlich noch lebendig, und - obwohl eigentlich im Urteil eine besondere Schwere der Schuld festgestellt wurde - auch längst wieder frei. Ich würde mir das eigentlich anders wünschen, zumal ein im Internet gefundenes Pressebild schon vor Jahren nicht viel von Erkenntnis über die überwältigende Negativität von Gewalt gegen Personen vermuten liess:
 

Ich weiß nicht wie man darauf kommen kann von 'Ehrenamt' zu schreiben, wenn ein Mörder die Kampftechnik kriminell vorgeprägter Jugendlicher verbessert. Das muss die Logik der gleichen Menschen sein, bei denen Soldaten bewaffnet auf Friedensmission gehen und bei denen "lebenslänglich" weniger als 15 Jahre bedeutet, dabei wären mit den traditionellen 25 Jahren wenigstens zwei Zahlen gleich gewesen, die Länge der Strafe und die Lebenszeit des Opfers, also: lebenslang; wenn auch dann noch lange nichts gesühnt oder wieder gutgemacht wäre. Würde der Mensch auf dem Bild nicht einem Jugendlichen das Kämpfen beibringen, sondern mit der gleichen Bewegung eine Kiste mit Hilfsgütern auf einen Unicef-LKW schieben, ich hätte Kontakt mit ihm aufgenommen und ihm gesagt, dass ich ihm verziehen habe. Hätte er mich mal aufgesucht und gefragt, auch dann hätte ich ihm verziehen, obgleich ich da nicht die Adresse höchster Brisanz wäre. So allerdings muss ich diesen uns alle befreienden Akt des Verzeihens leider noch eine Weile für mich behalten und auf hoffnungsvollere Nachrichten warten.

 
UPDATE:
Und wieder gab ihm ein Massenmedium, diesmal der Spiegel, die Gelegenheit zur ausführlichen Selbstbemitleidung mit Warnung an die (täter)-gefährdete Jugend, doch ihr Leben nicht durch Gewalttaten an anderen zu versauen. Weil das Opfer in diesem Artikel als "Erpresser" bezeichnet wird und die Tat zur Beschönigung nur in halber Grausamkeit geschildert, habe ich mich entgegen meiner sonstigen Prinzipien sogar in der Diskussion im Forum zu diesem Artikel gešussert.
 
... bis wir uns wiedersehen!

Zumindest meinem Bruder Jens habe ich alles verziehen, was an brüderlichen Zwistigkeiten über das läppische hinausgehen hätte können, wo eigentlich nur die Besorgnis unserer gemeinsamen Mutter zu nennen - wenn es überhaupt mein Recht wäre dies vorzuwerfen. Und ich hoffe, er hat auch mir die Dinge vergeben, die ich mir als Schuldgefühle lange aufgehoben hatte, wobei allerdings auch das allzumeist Kleinigkeiten waren. Ich hoffe ich habe mir selbst vergeben, und ich bin sehr stolz und dankbar, Dein Bruder zu sein!

Jens2

Ich danke Dir für Deinen Anteil daran, dass ich früh ein sehr guter Autofahrer war, dass ich daran zu glauben begann, dass man seine Träume lebendig machen kann, und für den ersten Vollrausch meines Lebens, als Du Silvester 1978 auf mich aufpassen solltest und mich dann mit der Flasche Rotwein alleinliest. Du warst belustigt aber auch besorgt, als ich in roten Strumpfhosen und in den Kloks des Vaters durch den Keller nach draussen torkelte, um Dich zu suchen und zu melden das die Flasche leer ist und ich Nachschub brauch. Ich danke Dir für den Sommer 1987, den wir im Zelt auf der Baustelle unseres neuen Elternhauses verbrachten, und ich finde es Schade, dass wir unser damals begonnenes Baumhaus tief im Wald nie fertig gebaut haben. Vielleicht liegen unsere Stricke und Äxte heute noch dort? Und erinnern geheim an einen großen Bruder und einen kleinen Bruder und Zeiten von Verbundenheit und Liebe.

 

 
Bestimmung? Zufall? Entscheidung? Verantwortung?

Was will einem das Universum oder das Göttliche mitteilen, wenn es jemanden - also mich - auf eine Reise schickt, zur Begutachtung durch einen Universitätsarzt, der nicht mehr wie zuvor in Regensburg forscht und lehrt, sondern in Hamburg. Wenn dann an einem willkürlich bestimmten Termin, während man im dafür vorgesehenen Bereich eines Flures vor der Tür des Sekretariats eines anderen Professors wartet, und, weil diese wegen höchstsommerlicher Temperaturen offen steht, ein Telefongespräch mitbekommt, bei dem sich eine Frau total entrüstete, weil ihre Freundin, die eine ach so wichtige Person sei, nicht adäquat und schnell genug für ihre Ansprüche behandelt würde. Und auch die gegebene Rückantwort, dass es vollkommen unerheblich sei für wie wichtig sich oder ihre Freundin die Anruferin halten würde, man würde für alle nur Gleichgutes leisten. Wenn man dann aber den Namen dieser Person kennt, weil Leonore Gottschalk Solger eine "Verteidigerin" der Mörder meines Bruders war. Und man diese aufgrund ihres Auftretens und ihrer Anträge bei Gericht, die nur möglicher Ausklammerung von Beweisen aus formaljurisischen Gründen dienten und das Ziel eines Freispruchs für geständige Mörder als eine 'antrophile Handlung' verkauft (für horende Honorare aus der Staatskasse übrigens, nicht aus Menschenliebe; das Verfahren gegen die Mörder meines Bruders hat 1.000.000,00 DM Gerichtskosten verursacht, ein großer Anteil ging an Frau Gottschalk Solger). Wenn so ein Zufall geschieht, dann fragt man sich doch . . . ? ? ? ?